Chihuahua Krankheiten rassetypisch

Wie jede andere Hundrasse auch, besitzt der Chihuahua rassetypische gesundheitliche Beschwerden. Einige davon sind harmlos und man sollte sie einfach kennen, andere müssen ggf. behandelt werden.

Rückwärtnießen

Das Rückwärtsnießen ist eine Erscheinung, die bei Chihuahua sehr häufig auftritt und harmlos ist. Kennt man es nicht, bekommt man als Besitzer aber erst mal Panik und fährt zum Tierarzt. Selbst in großen Tierkliniken ist man offenbar nicht ausreichend über den Sachverhalt aufgeklärt und rät zu einer kostspieligen Lungenbiopsie, die keinerlei Ergebnisse liefern wird. Viele Tierärzte behandeln in dieser Hinsicht erfolglos und verlangen dennoch hunderte von Euro als Lohn für ihre Unwissenheit. Leider klären auch Züchter noch immer kaum darüber auf.
Beim Rückwärtsnießen zieht der Hund röchelnd sehr schnell Luft ein und spreizt die Ellbogen ab. Es wirkt tatsächlich wie ein Erstickungsanfall, der aber meist nach max. 30 Sekunden wieder vorbei ist.
Die Ursache ist noch nicht eindeutig geklärt, aber es wird vermutet, dass ein zu langes Gamuensegel dafür verantwortlich ist. Ausgelöst wird Rückwärtsnießen meist bei großer Freude oder Aufregung. Helfen kann man nur durch Ablenkung oder Auslösen eines Schluckreflexes z.B. durch Hals-Massieren oder auf der Brust leicht klopfen. Nach einigen Sekunden sollte es vorrüber sein.

Angst haben braucht man definitiv nicht, aber wenn es sich anders anhört als sonst und ohne Auslöser auftritt, muss geklärt werden, dass es nicht doch ein echter Husten, eine allergische Reaktion oder ein im Rachen hängendes verschlucktes Kleinteil ist und ggf. der Tierarzt aufgesucht werden.



Patellaluxation (PL)

Die Patellaluxation, abgekürzt als PL bezeichnet, meint die Verschiebung der Kniescheibe, die besonders bei Hunden kleiner Rassen ab dem Junghundealter auftritt, so also auch bei dem Chihuahua. Die Kniescheibe des Hundes verläuft in einer schmalen Rille, dem Rollkamm, bei Bewegen des Beines auf und ab. Gehalten wird sie zusätzlich unterhalb des Oberschenkelknochens durch das Patellaband. Luxiert die Patella, springt sie aus verschiedenen Gründen aus der Rille heraus. Der Hund zieht das Bein an und humpelt zeitweise, bis die Patella sich wieder richtet, wenn nicht lahmt er permanent.

Es wird zwischen erblich bedingter Patellaluxation und einer Luxation durch äußere Einwirkung, z.B. einem Unfall, unterschieden. Weiterhin werden verschiedene Schweregrade unterschieden:

Grad 1: Gelegentlich auftretende Patellaluxation mit einhergehender gelegentlicher Lahmheit.
Grad 2: Häufiger auftretende Luxation mit zeitweise permanenter Lahmheit.
Grad 3: Permanente Patellaluxation, das Knie lässt sich manuell richten, luxiert anschließend jedoch erneut.
Grad 4: Permanente Luxation, das Knie lässt sich auch manuell nicht in den Rollkamm zurückschieben.

Die Patellaluxation ist durch das Lahmen des Hundes für seinen Besitzer mit bloßem Auge erkennbar. Sie wird durch einen Tierarzt über abtasten und Bewegen des Beines bestätigt.

Behandlung:

Grad 1 tritt sehr häufig bei keinen Hunderassen auf und wird meist nicht behandelt. Ab Grad 2 sollte definitiv eine Behandlung erfolgen. Besonders bei höheren Graden ist eine Operation teilweise unumgänglich. Da eine Operation jedoch nicht nur kostspielig, sondern für den Hund auch immer gefährlich sein kann, sollte man vorher andere Wege der Heilung oder Verbesserung versucht haben. Physiotherapeuten bzw. Kinesitherapeuten für Hunde können Sie bei den folgenden Maßnahmen anleiten und unterstützen:

- Muskelaufbau: Man ist geneigt einen lahmenden Hund zu schonen, doch damit ist ihm nicht unbedingt geholfen. Da ein stabiles Gewebe der Luxation entgegenwirken kann, sollte der Hund durchaus gefordert werden. Besonders gut eignet sich Zugtraining, das die Hinterläufe stärkt. Z.B. kann eine Person mit Leckerchen vorlaufen und eine andere hält den Hund so kurz, dass er an der Leine zieht. Schwimmen ist ebenfalls gut.
- Hinterläufe täglich massieren und dehnen
- Kniescheibe manuell wieder einrenken: Hinter den Hund stellen, mit einer Hand unter dem Bauch stützen und das Bein langsam und vorsichtig gerade nach hinten ziehen. Meist renkt dies die Patella wieder ein, doch bei permanenter Luxation hilt es natürlich nur wenig.
- Auch Knieschoner für Hunde können bei langen Spaziergängen angelegt werden, die das Knie ein wenig stützen.

Operation?

Sollte der Zustand Ihres Hundes sich dauerhaft nicht verbessern, kann eine OP helfen. Bei der Operation wird die Patella zur Seite gelegt und aus dem zu flachen Rollkamm ein Stück herausgeschnitten, sodass die Kniescheibe darin besser gleiten kann. Zusätzlich werden häufig die Patellabänder verkürzt.

Wie jeder chirurgische Eingriff hat auch dieser natürlich Risiken. Zum einen gilt das normale Risiko einer Vollnarkose zum anderen kann nicht sicher gesagt werden, ob die Lahmheit sich anschließend tatsächlich bessert. Tatsächlich hat die Operation der Patellaluxation aber sehr hohe Erfolgschancen.
Die Kosten für die OP belaufen sich auf etwa 700€ plus Nachbehandlungskosten. Nicht gerade günstig, besonders wenn man bedenkt, dass häufig auch das zweite Hinterbein betroffen ist. Empfehlenswert ist daher der frühzeitige Abschluss einer Hunde OP-Versicherung. Da die Patellaluxation eine meist angeborene Erscheinung ist, haben die meisten Versicherungen diesen Fall ausgeschlossen. Die einzige, die die Kosten dieser OP übernimmt ist die AGILA.

Zu spät und Sie haben das Geld für diese oder eine andere OP nicht und Ratenzahlung ist in der Tierklinik nicht möglich? Ein Kredit kann der letzte Rettungsschirm sein.

Da die Patellaluxation u.a. erblich bedingt sein kann, sollte auf die Zucht mit betroffenen Tieren unbedingt verzichtet werden. Die Vorlage einer PL-frei-Bescheinigung ist jedoch wenig aussagekräftig, wenn sie im Alter von 12 Montaen ausgestellt wurde, da die Luxation auch erst in höherem Alter auftreten kann. Auch bei Zucht mit PL-freien Tieren ist die PL bei den Welpen nicht ausgeschlossen, da man nie weiß, was noch in den Genen steckt. Eine Bescheinigung über PL-Freiheit des Züchters für Ihren Welpen ist gänzlich nicht zu bewerten, da sie in diesem Alter i.d.R noch nicht in Erscheinung tritt.